Werner Papke - Nachruf

TATORT BERLIN  morgen im RBB

Erinnerungen an Werner Papke

Am 14 Dezember letzten Jahres ist Werner Papke, ein einst bekannter Boxtrainer, im Alter von 86 Jahre verstorben. Morgen, am 17. April 2018 ist er noch einmal im Fernsehen zu sehen. Um 20.15 Uhr wiederholt der RBB die Sendung Tatort Berlin – Werner G.

In dem Beitrag geht es um die Gladowbande, deren Mitbegründer Werner Papke 1948 war. An dieser Stelle aber soll an Werner Papke erinnert werden: 1931 geboren erlebte er seine Kindheit im strengen elterlichen Haushalt, geprägt vom NS-Alltag. Später kam er auf eine Napola in Reisen im Warthegau. Diese Eliteschule des Führers wurde wegen der näher rückenden Roten Armee im Januar 1945 aufgegeben. Die 12 – 16jährigen Schüler wurden der SS unterstellt, nach Berlin geschickt und im Straßenkampf eingesetzt. Am letzten Kriegstag verlor er seinen besten Freund Jörg Napiralla. Dann war alles anders. Der Krieg war aus und alles, was Werners Leben bisher prägte war nicht nur nichts mehr wert, es war schlecht und falsch. Niemand war da, der diesen Zusammenbruch bei dem 14jährigen abfangen konnte. Ein Schicksal von Vielen. Werner Papke glitt in die Kriminalität ab. In Plötzensee lernte er dann den gleichaltrigen Werner Gladow kennen, der wegen Schwarzmarktgeschäften, Betrugs und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte einsaß. Werner Gladow hatte alle Al-Capone-Filme und alle Bücher über diesen Gangsterboß gelesen und wollte in Berlin eine Gang nach dem Vorbild Al Capones aufbauen. Werner Papke half, das in die Tat umzusetzen. Bis zu 87 Mitglieder zählte die Gang, wenn auch nie alle auf einmal agierten. Sie wurden reich, konnten sich eigene Autos leisten. Bald verübten sie ihre Verbrechen in Anzügen, Krempenhüte und mit weißen Krawatten. Die Ermittler kannten keine Namen, führten sie als „Weiße Krawatten“. Als Werner Gladow immer mehr mit seinen Waffen agierte, stieg Werner Papke aus. Mit Schießereien wollte er nichts zu tun haben. In der Tat – kurz nach seinem Ausstieg gab es die ersten Toten.

Die Gang flog auf, ihnen wurde der Prozeß gemacht. Die junge DDR aktivierte ein Gesetz, was die Nazis 1937 erlassen hatten, um jugendliche Deserteure hinrichten zu können. So wurden Werner Gladow und Werner Papke nach Erwachsenenrecht verurteilt. Gladow wurde zum Tode verurteilt und 1950 hingerichtet, Papke erhielt 15 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust. 13 Monate verbrachte er an Händen und Füßen gefesselt in Einzelhaft. Noch 2017 sah man die Fesselmale an seinen Handgelenken.

Um es klarzustellen: Der Verfasser ist auch der Meinung, daß die Taten gesühnt werden mußten. Aber schon damals gab es auch in der DDR ein Jugendgerichtsgesetz, was hätte Anwendung finden müssen.

Schon als Kind betrieb Werner Papke mit Leidenschaft zwei Sportarten: Boxen und Schach. Nach dem Krieg trainierte er in Weißensee bei Karl Schwarz, zusammen mit den jungen Boxern Erwin Sahm und Gustav Bubi Scholz. ER führte ein Doppelleben: Der Glasbläserlehrling und junge Boxer auf der einen Seite, das Mitglied der berüchtigten Verbrechergang seiner Zeit auf der anderen Seite.

Nach seiner Haftentlassung 1960 wurde Werner Papke ein bekannter Boxtrainer. Er gehörte zu den ganz Großen dieser Welt. Unter ihm wurde Jörg Eipel Europameister, Michel Trabant zu jüngsten Profiboxer aller Zeiten, der insgesamt 33 Kämpfe unter Papke bestritt und nicht einen verlor. Werner Papke prägte auch weltweit Boxregeln. So wurde auf seine Initiative hin der Boxring nicht mehr mit drei, sondern mit vier umlaufenden Seilen gesichert.

2008 wurde Werner noch einmal von einem Berliner Gericht verurteilt. 3 ½ Jahre wegen Mißbrauchs Schutzbefohlener. Bis heute prägt die Berichterstattung hierüber das Internet. Der Verfasser maßt sich nicht an, als Richter zu fungieren und ein Urteil einfach so anzufechten. Aber es bleibt als Tatsache festzustellen, daß nahezu alle Belastungszeugen ohne Not die Aussagen zurückzogen. Es bleibt auch festzustellen, daß objektive Beweismittel vom Gericht nicht herangezogen wurden. So ist nachgewiesen, daß Werner Papke zum Zeitpunkt einer in Berlin begangenen Tat gar nicht in Berlin war… Dem Verfasser liegt eine Aussage auf sendefähigem Material vor, wo ein junger Mann erklärte, wie er als 12jähriger zu einem Belastungszeugen gemacht wurde und kann beweisen, daß viel Geld geflossen ist…

Der Verfasser ist davon überzeugt, daß der Prozeß einige Jahre später und bei Kenntnis des Kachelmann-Prozesses einen anderen Verlauf genommen hätte.

Werner Papke war ein wichtiger Zeitzeuge, war von den Zeiten geprägt und hat geprägt. Er war sicher kein bequemer Mensch, aber er war nicht der Schwerverbrecher und der Kinderschänder, wie er dargestellt wurde. Er war ein Mensch mit Ecken und Kanten, der uns viel zu sagen hat und viel erzählen kann. Das tut er auch als letzter damals noch lebender Zeitzeuge in dem ausgezeichneten Film von Gabi Schlag und Benno Wenz, den wir am Dienstag noch einmal sehen können.

Es sei nur eine kleine korrigierende Anmerkung erlaubt: Werner Papke und Franz (Bomme) Redzinski waren nie gemeinsam in der Gladowbande aktiv. Redzinski ist erst im März 1949 zur Gang gestoßen, also zwei Monate nach Papkes Ausstieg. Der Berufsverbrecher Redzinski gehörte zu den auffallend brutalen Gangmitgliedern.

Jürgen Fuhrmann, im April 2018

 

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